Eröffnungsrede

von Hannes Hümmer,

Der Projektormann wirft seine Bilder vor sich, malt in die Leere.

Mäuseskelette fein säuberlich aufgereiht, ein Mikrokosmos der Ordnung im Scheitern der Weltordnung im Grossen.

Noch eine Tür, dahinter …nichts

Ist sie bedrohlich, diese Leere, die Stille?

Wohin das Auge blickt wird die Abstraktion durchbrochen, zeigt sich im Spiegel der Pfützen, im Geröll berstenden Zementes das Konkrete,das wundervoll selbstorganisierende des Verfalls.

Der Ton füllt den Raum, wie Wasser, fliesst in alle Ecken, durchdringt Schächte und Mauerschluchten, sammelt sich in Nischen und wächst geborgen in Ausweglosigkeit zu eigenem Sein, geisterhaft und gewaltig.

Person 1: Das gesprochene Wort wird zurückgeworfen vom endlosen gegenüber nackter Wände spaltet sich an den Vorsprüngen und Gängen webt seine Fäden in das Schweigen der Treppenhäuser.

Person 2: gleicher Text versetzt gelesen Echo

Person 3: usw.

Jede Berührung erweckt zum Leben, was liegengelassen, was totgesagt sich hinter vertrautem verbirgt.

Die Anwesenheit von Kunst beweist das Leben, wenn nichts sein kann wo nicht geträumt wird.

Beginne mit einem Strich, mit einem kurzen Rufen, dem stehende Ton, der Farbe.

Folge dem Sog des unberührten, fülle den Raum mit deinen eigenen Worten, der Seele, dem Gedanken.

Wie Efeu setzt sich das Gestaltende im Gemäuer fest um immer neue Gestalt zu suchen im Verfremden, dem Entzivilisieren des Betons.

Person 1 , Person 2, Person 3 (?) durcheinander:

kennst Du den Garten,kennst Du die Rutschbahn in Nichts?

kennst Du Ping, kennst Du den Keller wie ein Zoo, kennst Du das Surren der Motoren, das Tropfen das Fliessen?

Kennst Du die Abendsonne am Ende des toten Schachtes, kennst Du pong, kennst Du heute, kennst Du Otto?

(frei fortführbar)

Polstermöbel, fein säuberlich aufgereiht. Keiner sitzt.

Ich singe eine Lied, sende es hinaus in die Unendlichkeit, nein, die hundertfache Endlichkeit der Hallen.

Die künstlich erzeugten Klänge verschmelzen im natürlichen Widerhall eines künstlichen Gebirges.

Der kleine Mann im Anzug trägt seine umzäunten Gedanken in den Lastenaufzug.

5 Tonnen Sorgenballast in seinem Blick.

Sie tragen Metallgebilde durch die Gänge, Relikte einer vergangenen Welt, fügen zusammen was nie beinander war, ohne erkennbares Ziel.

Modifizieren den Klang eines landenden Helikopters zum Zirpen von Grillen in lauen Sommernächten im braunen Gras entlang der Ruinen des Strebens nach Glück.

Sie kleben Mikrofone an Wasserleitungen.

Gehe 7 Schritte lausche dem Lied, es zerfließt im eigenen Widerhall, gehe 7 Schritte und das Echo überholt sich selbst.

Überall hinter Türen lauert das Wirtschaftswunder, die 50er Jahre eingegossen im Kunstharz der kontinuierlichen Wartung.

Lasst uns Lichthöfe sprengen in die Dunkelheit dieser Stadt.

Drive in Lofts für Niemanden.

90.000 qm Fläche für Dinge die niemand kauft. Lasst es uns Quelle nennen.

Reisst es nieder, dieses Ungeheuer, dieses wahnsinnige Sinnen nach Wohlstand.

Verriegelt die Tore, vernagelt die Fenster, bevor noch Künstler kommen.

Sie werfen Farben an die Wände und behaupten, nun habe es Sinn.

Sie zeichnen im Gehen, sie werfen Lichter an die Wand und stören den Frieden der Allgemeinheit durch sinnloses Erschaffen.

Sie sehen Schönheit in jedem Ding das gedankenlos weggeworfen, niemals gefunden werden wollte.

Sie hängen es an Wände und Ihr kommt es zu betrachten.

Projektormann zeichnet was er sieht und sieht was er zeichnet. Erfindet die Welt neu, die verlassen vor ihm liegt. Das Geschaffene wischt er weg, kehrt zum Ursprung zurück, der leeren Leinwand.

Hütet Euch bald wischt er auch Euch aus seinen Bildern.

Noch eine Tür, dahinter noch eine Tür, dahinter noch eine Tür.

Wenn Abends die Sonne hinter der Autobahn versunken ist könnt ihr sie sehen. Sie sind überall.

Verstreute Lichtpunkte, wie Gebirgsdörfer in auf Quader reduzierten Karpatentälern.

Sie geben sich den Anschein als hätten sie etwas zu tun. Dabei zersägen sie Steine, bauen selbstzeichende Automaten, Tomaten sollen sie dort haben und wilden Majoran.

Sie pflegen die Bäume, die die Substanz zersetzen auf der Sie leben.

Sie sammeln Wasser in kleinen Teichen und sitzen im der Abendröte beisammen als wäre es das Meer.

Sie öffnen und schliessen Fenster und niemals finden sie ein Ende, es sind einfach zu viele.

Sie hinterlassen kleine Idyllen an Orten die nie ein Mensch je betritt.

Wenn alles vorbei sein wird, freuen sie sich über das, was sie hinterlassen und später achtlos zertreten wird von den neuen Herren, mit ihren AAA Rating Investoren.

Sie sammeln ihre Träume in Einkaufswägen, ihre Bilder an den Wänden wo sie niemandem ihre Geschichten erzählen. Giessen ihre Geschichten in Klänge, die wie Fäden ihre eigenartigen Symbole in den Wind weben, der sie hinüberträgt zu den ratlosen Bürgern.

Man muss sie beobachten. Seltsame Gestalten gehen ständig ein und aus, sie geben vor einer Beschäftigung nachzugehen, doch sie verweben nur Schatten und Licht zu einem Klumpen bunten Scheines.

Sie nennen sich eine Quelle, ein Kollektiv und sind doch nur wie Termiten die im zerstören monumentale Gebilde erschaffen, ohne jede messbare Form.

Geht nicht dorthin, sie wollen Euch nur die Freiheit zeigen, dieses Gift, das immer strebt das Festgefügte, das Unabänderliche in Neues zu verwandeln, es bei neuen Namen zu nennen.

Sie wollen diese Stadt zu ihrem Spielplatz machen und alle infizieren mit ihren verdrehten Gedanken.

Morgen schon wollen sie das Ihr frei seid und statt die Geranien auf dem Balkon eurer Mietwohnungen zu giessen hinausgeht und im Betrachten der Dinge erkennt was Ihr selbst seid.

Sie sammeln den Sommer in hölzernen Fässern auf dem Dach, als wollten sie ihn bewahren wie einen edlen Wein.

Sie nennen es

Sommerkollektion

Edel Extra im ewigen Jungbrunnen - Edel Extra beim Quellkollektiv: Am kommenden Freitag und Samstag sind wir wieder mit dabei, wenn es heisst: Sommerkollektion ahoi. bird berlin wird seine Performance “honululu forever” abliefern, wir werden euch betördene Kuchen aufsschwatzen – und den ein oder anderen Kurzen heben. zum allgemeinen amusement als auch zusätzlich zum sommerlichen Schweiß gibts wieder viel Kleber auf die Skulptur. Zur Erfrischung kann man sich beim Ponyreiten den Reitwind um die Nase wehen lassen. zusammengefasst: Es wird viel passieren, ohoh. Nichts bleibt mehr gleich.

www.edelextra.biz

Empfehlung: Sommerkollektion

Das Bühnen&Ausstellungsprogramm für das 2. Wochenende

DONNERTAG 24.7. 16:00 - 22:00 Uhr

Kai Kunahr (Dj)
Gabriel (Dj)
Devils’ Dandee Dogs (Band)
Your Careless Spark (Band)

Präsentation des ersten Ausstellungskatalogs (Bremen-Crew)
Futterbombenbande (Essen für alle)

FREITAG 25.7. 16:00 - 23:00 Uhr

Institut Fatima (Interaktive Soundinstallation)
Phil Schwarzkopf (Dj)
Eskoffier (Dj)
Jack Crack (Band)
Die Japanische Clubjacke (“Band”)

Portraitmalen von Lukas Taschler
EDEL EXTRA:
Bird Berlin: “Honolulu forever” (Performance)
Ponyreiten (interaktive Performance)
Aufzugbegleitung


SAMSTAG 26.7. 12:00 - 23:00 Uhr

Institut Fatima (Interaktive Soundinstallation)
Hilda (Dj/Soundperformance)
Domi Le Bowski (Dj)
Lillith (Band)
Hannah Grosch (Band)
One Two Digits (Band)
DEFF (Dj)

Portraitmalen von Lukas Taschler
Präsentation des zweiten Ausstellungskatalogs (bremen-crew)

Viel Spaß!!!